Da sich ein Erasmuspraktikum doch in einigen Punkten vom klassischen Erasmussemester unterscheidet, gibt es dazu einen eigenen Beitrag in unserer Serie „Langzeitaufenthalte im Ausland“. Ich habe 2013 ein dreimonatiges Praktikum mit Erasmus in der Schweiz gemacht und in einem Spital in Zürich gearbeitet. Ein Erasmusstipendium bekommst du ab einer Aufenthaltsdauer von drei bis maximal zwölf Monaten.
Für wen?
Ein Erasmuspraktikum kannst du, genauso wie ein klassisches Erasmussemester, machen, wenn du ein Studium an einer Uni, FH, Pädagogischen Hochschule oder an einer sonstigen Bildungseinrichtung absolvierst, welche die Erasmus-Hochschulcharta (EUC) beantragt hat. Du solltest dich gut in einem Arbeitsteam einfügen und selbstständig arbeiten können, gutes Vorwissen in deinem Fachbereich mitbringen und Lernbereitschaft zeigen. Kenntnisse der Landessprache sind nicht zwingend erforderlich, aber zumindest dein Englisch sollte zur Verständigung ausreichen.
Vorteil
Du lernst deinen Beruf von einer anderen Seite kennen, denn die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Ausbildungen sind oft nicht unerheblich. Außerdem hast du die Gelegenheit, dich für eine renommierte Stelle zu bewerben, die an Ausstattung oder Kompetenzen verfügt, die du in deinem Heimatland vielleicht nie kennenlernen würdest. Darüber freut sich dein Lebenslauf ;) Auch die Arbeitsweise kann recht unterschiedlich sein. Das kann dir bei deiner späteren Berufsausübung hilfreich sein, weil du einen weiteren Blickwinkel darauf bekommst. Außerdem knüpfst du so auch Kontakte zu anderen Ausbildungs- und Arbeitsstätten und lernst, wie bei allen Langzeitaufenthalten, neue Leute kennen. Im Vergleich zum klassischen Erasmussemester werden das wahrscheinlich mehr Einheimische sein, da nicht unbedingt weitere Erasmusstudenten an deiner Praktikumsstelle arbeiten werden, oder in der Nähe wohnen und du jeden Tag mit Einheimischen arbeiten wirst. Einen großen (Kosten-)Vorteil bieten auch das Erasmusstipendium und ein eventueller Praktikumszuschuss.
Nachteil
In einem anderen Land brauchst du meist eine Eingewöhnungsphase. Da du weder bei einer Gastfamilie wohnen wirst, noch zwangsläufig andere Praktikanten oder gleichaltrige Arbeitskollegen haben wirst, kann die erste Zeit schon schwierig werden.
Das Klischee vom Party-Erasmusstudenten wirst du auch nicht so ganz erfüllen können, da du deine Arbeitszeiten einhalten musst und von deiner Praktikumsstelle auch Lernfortschritte erwartet werden.
Du musst dir außerdem von der Versicherung bis zur Anreise alles selbst organisieren und wenn du das noch nie gemacht hast, oder schlecht informiert bist, kann auch das Schwierigkeiten bereiten.

Tipps
Frage an deiner Ausbildungsstätte nach, ob es in deinem Studiengang einen Verantwortlichen für Auslandspraktika gibt. Die können dir alle nötigen Infos geben. Bewerbungen müssen von deiner Bildungseinrichtung bewilligt werden. Die entsprechenden Fristen einzuhalten, wäre auch sehr empfehlenswert. Wie immer, ist es klug, sich frühzeitig für die Wunschstelle zu bewerben. Achtung: Du kannst dich nicht einfach direkt bei deiner Praktikumsstelle bewerben. Oft gibt es Partnerschaften mit anderen Hochschulen, die Anzahl und Orte der Plätze, die für deine Ausbildungsrichtung vergeben werden, bestimmen.
Informiere dich über Nachweise, die du vor, während und nach deinem Aufenthalt erbringen musst, wann die Fristen sind und welche Dokumente du dafür brauchst. Das gilt für Erasmus, deine Bildungseinrichtung und deine Praktikumsstelle. Informiere dich auch über nötige Versicherungen!
Wenn du einmal angekommen bist, hängt viel von deiner Eigeninitiative ab. Schau und hör dich um, was für Freizeitmöglichkeiten es gibt und lass dir Tipps geben, wie du deine Zeit vor und nach der Arbeit gestalten kannst. Gut wäre es natürlich, wenn du dich darüber schon im Vorfeld informierst, aber nicht alles lässt sich im Internet finden und richtig gute Tipps bekommst du von Einheimischen.
Sprich Leute aktiv an! Damit habe ich bisher noch keine negativen Erfahrungen gemacht, die meisten reagieren darauf freundlich und hilfsbereit. Vielleicht wohnst du auch in einer Mitarbeiterwohnung deiner Praktikumsstelle. Dort hast du oft auch die Möglichkeit andere Praktikanten auch aus anderen Berufsrichtungen und Ländern kennenzulernen.

Kosten
Anreise und Versicherung bezahlst du selbst. Dabei sind die Kosten je nach Land und Entfernung sehr verschieden. Du bekommst aber je nach Land einen Erasmuszuschuss, der sich zwischen 328 und 435 Euro pro Monat bewegt (Stand 2014 in Österreich). Studierende mit besonderen Bedürfnissen oder mit Kindern erhalten zusätzliche Fördermittel. Familien- und Studienbeihilfe beziehst du weiterhin.
Eventuell gibt es die Möglichkeit einer Mitarbeiterwohnung, die hat den Vorteil sehr nahe an der Praktikumsstelle zu liegen und ist meist deutlich günstiger und leichter zu organisieren als eine normale Wohnung oder WG. In teureren Ländern, wie etwa der Schweiz, würde ich dir nicht empfehlen, eine eigene Wohnung zu nehmen.
Je nach Land und Praktikumsstelle bekommst du eine Praktikumsentschädigung. Informiere dich auch darüber, denn das hat großen Einfluss auf Freizeitmöglichkeiten, die du dir somit eher finanziell leisten kannst.

Länder
Alle EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz und Türkei. Unter besonderen Bedingungen gibt es auch Programme für Drittstaaten innerhalb Europas. Diese Bedingungen solltest du dir auf der jeweiligen Website (siehe Kontakte) bei Interesse durchlesen.
Kontakte
Deine Hochschule, die verantwortliche Person für Auslandspraktika in deinem Studiengang.
Für Österreich:
Das Programm für lebenslanges Lernen beinhaltet Erasmus als Teilprogramm.
Für Deutschland:
Die Schweiz hat auf Seiten von der jeweiligen Hochschule meist genauere Informationen.
Hier findest du noch einen Leitfaden für Erasmus-Studierende (österreichische Seite, aber auch viele allgemeine nützliche Tipps):
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Richtig genialer Beitrag, tolle Infos! Eine Freundin von mir denkt momentan über ein Erasmuspraktikum nach, ich habe ihr den Link schon zugesendet 🙂
Weiter so!
Danke, freue mich über das Lob! Die weiteren Artikel zum Thema folgen noch 🙂 Viel Spaß dir in Indien!
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